26.03.2021
Obdachlose sollen in Tiny Houses neben Einkaufszentrum wohnen
Selbstverwaltet der Ausgrenzung „entfliehen“:
Mit einem Pilotprojekt wollen der Senat und der Bezirk Lichtenberg Obdachlosen eine neue Chance geben. von ROBERT KLAGES / Tagesspiegel:

Die Idee eines "Safe Places" für obdachlose Menschen gibt es schon lange in Berlin. Es mangelt, wie so oft, an den passenden Flächen. In diesem Fall für einen Ort, an dem eine Gruppe in Selbstverwaltung und unterstützt durch die Stadt leben kann.
Die Rufe nach einem solchen Ort wurden nach der Räumung des Obdachlosenlagers an der Rummelsburger Bucht in Berlin-Lichtenberg lauter. Im Bezirk soll es bald ein Pilotprojekt geben. Nicht an der "Bucht", denn dort wird es nach der Bebauung durch Wohnungen und Gewerbe keinen Platz mehr geben für Obdachlose.
Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg hatte im Anschluss an die Räumung einen Parkplatz am S-Bahnhof Lichtenberg als "Safe Place" vorgeschlagen – unter dem Vordach des Bahnhofs hatten Obdachlose eine Zeit lang ein Lager errichtet, bis dieses geräumt wurde.
Doch auf dem Parkplatz hat die Senatsverwaltung nun eine Sharing-Station für E-Mobilität eingeweiht: E-Autos, Fahrräder und E-Roller können dort gemietet werden. Zwar wäre laut Lichtenbergs Stadtrat Martin Schäfer (CDU) noch Platz für einen "Safe Place", allerdings wird es immer enger vor Ort. Der Bezirk versucht, eine Fläche in der Nähe des Bahnhofs für einen "Safe Place" zu finden. 

05.02.2021
Persönliche Erklärung zur Evakuierung des Obdachlosenlagers an der Rummelsburger Bucht am 5. Februar 2021 von Kevin Hönicke, Stellv. Bezirksbürgermeister und Stadtrat für Stadtentwicklung, Wirtschaft Arbeit und Soziales Berlin-Lichtenberg:

Seit Freitag dem 5. Februar bin ich rund um die Uhr mit der Rummelsburger Bucht befasst. Aber auch in den Tagen davor waren die Anfragen enorm und die Berichterstattung nahm zu. Wunsch war immer wieder, Menschen dort nicht alleine zu lassen und zu helfen. Für meine Entscheidungen bezüglich dem Schutz von Menschen vor anstehender extremer Kälte am 5. Februar habe ich bisher Kritik, aber auch viel Zustimmung erfahren. Ich nehme wahr, dass sich ein Groß der Zustimmung der Geschehnisse vom Freitag auf das von der Senatsverwaltung ermöglichte Angebot einer niedrigschwelligen Unterbringung bezieht. Dem Ziel regulär mehr davon zu schaffen, Projekte wie Common Places, Housing First und 24/7- Unterkünfte, habe ich mich schon lange angeschlossen und werde weiter alle Möglichkeiten dazu nutzen, wo sie mir offenstehen. Den Problemen der Obdachlosigkeit zu begegnen, bestimmt mein Handeln und ist gemeinsames Thema in dieser Stadt. Das europäische Parlament will Obdachlosigkeit bis 2030 beenden. Ich werde hierbei anpacken. Es ist aber auch klar, dass das Thema Obdachlosigkeit nicht in einem Bezirk alleine geklärt werden kann und wohnungslose Menschen sich dynamisch bewegen. Nur, wenn die Stadt geschlossen handelt und sich gegenseitig unterstützt, können wir das Ziel erreichen. Es braucht dazu ein engagiertes und ehrliches Vorgehen. Daher stand und steht für mich fest: Nicht zu Handeln war am Wochenende keine Option. Ich danke vor allem den Sozialarbeiter*innen dafür, dass sie mit den Menschen vor und während des Wochenendes intensiv gesprochen haben. Ich danke der Senatsverwaltung für den engen Austausch am Freitag und die gegenseitige Begleitung und ich danke dem DRK, dem THW, der BVG, der Polizei und Feuerwehr für die Unterstützung vor Ort. Wenn es bei der Sicherung der Fläche zu Beschädigungen kam, in der Zeit von Freitag bis Samstagmittag, war das nie im Sinne unseres Zieles und wir stehen bereit, hier Entschädigungen zu prüfen. Die Zusage, dass Eigentum geschützt und zugänglich bleibt, hatte ich vor Ort von der Vertreterin der Eigentümerin erwirken können, worauf mich auch die Proteste am Vormittag aufmerksam gemacht hatten. Dafür danke ich ausdrücklich. Als Mitglied des Bezirksamts setze ich geltendes Recht als Teil einer Exekutiven um und habe mein Dienst zum Schutz der Menschen auszuführen. Ich möchte Politik gestalten, um als Bezirksstadtrat in Zukunft nicht mehr vor der Entscheidung zwischen zwei schlechten Optionen zu stehen, sondern Hilfe zu etablieren, die die alle Betroffenen annehmen möchten. Als Parteimitglied der SPD gestalte ich deshalb eine Debatte darum, wie diese Gesetzgebung dem Gemeinwohl der Stadt besser dienen kann, aktiv mit. In diese Debatte müssen die Schwächsten der Gesellschaft miteinbezogen werden. So wie ich es bereits in den vergangenen Wochen und in der Nacht am 5. Februar gemacht habe, werde ich dazu weiterhin mit sozialen Trägern und Betroffenen sprechen. Ich weiß auch, dass diese Situation für soziale Träger und ihre Mitarbeitenden eine schwierige ist, weil sie ihre Überzeugungen berührt. Ich bin weiterhin überzeugt auch als Politiker Haltung zu zeigen und Entscheidungen zu treffen. Das erwarten Menschen zu recht von Politikerinnen und Politikern. Für diese Entscheidungen kann man mich kritisieren oder unterstützen, ich stelle mich den Diskussionen. So habe ich es Freitag und Samstag über viele Stunden vor Ort gemacht. Den Diskurs scheue ich nicht, weil ich die Hoffnung damit verbinde, dass wir unsere Stadt voranbringen und sozialer machen. 
Quelle: Newsletter Einfach machen! Nr. 8

01.08.2019
Mein Arbeitsbeginn im Tagestreff für Wohnungslose und Bedürftige
In Berlin wird die Zahl wohnungsloser Menschen auf derzeit 60.000 Personen geschätzt. Wohnungslosigkeit stellt ein enormes soziales Problem dar. Folge einer nicht nur vorübergehenden Obdach- bzw. Wohnungslosigkeit ist unter anderem die sich deutlich verschlechternde psychische und psychosoziale Verfassung der Betroffenen.
Eine ganzheitliche Verbindung von niedrigschwelliger und zu festen Zeiten erreichbarer sozialer und medizinischer Versorgung, die zudem durch die Ausgabe von Mahlzeiten und Kleidungsstücken sowie durch eine sozialpflegerische Betreuung begleitet wird, ist seit Jahren im TagesTreff für Wohnungslose und Bedürftige "MUT zur Nachbarschaft" im Bezirk Lichtenberg sichergestellt.
Wir bieten den primär auf der Straße lebenden Menschen, welche in der Regel nicht krankenversichert sind und daher das gesundheitliche Regelsystem nicht nutzen können, unsere Unterstützung an.  Dafür stehen ihnen Allgemeinmediziner sowie Zahnärzte zur Verfügung.
Der Tagestreff setzt sich für die Wiedereingliederung bedürftiger Menschen ein, damit diese im besten Fall wieder in der Lage sind, ein geregeltes und eigenständiges Leben führen zu können. Die Menschen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, sind auf unsere Hilfe angewiesen.